Absinth - Rezept und Geschichte der grünen Fee
Wer kennt nicht die legendäre Filmszene aus Bram Stokers „Dracula“, in der Gary Oldman, verkleidet als Vampir Graf Vlad Tepez, seiner Geliebten Mina Harker, gespielt von Winona Ryder, ein berauschendes Glas Absinth anbietet?
Mit der Aufschrift „Die grüne Fee „Die im Absinth lebende Seele wünscht sich das Deine.“ Dann schickt Dracula seine Geliebte auf eine dunkle Seelenwanderung.
Tatsächlich handelt es sich bei dem alkoholischen Getränk weniger um eine psychedelische Droge als vielmehr um eine alte Medizin, die jedoch im 19. Jahrhundert zu einer historischen Droge und einem Aufputschmittel avancierte.
Absinth als Medizin
Der Name Absinth geht auf eine ganz bestimmte Beifußart zurück, nämlich (Artemisia absinthium).
Beifußkräuter wurden in der Antike häufig als Heilkräuter verwendet.
Der älteste schriftliche Beweis dafür ist der Ebers Papyrus - ein Heilpapyrus aus der Zeit der Pharaonen. Auch der Begründer der modernen Medizin, Hippokrates, wusste um die heilende Wirkung von Beifußkräutern.
Schon im Alten Testament wird immer wieder der bittere Geschmack von Beifuß beschrieben.
Für die heilende Wirkung von Kräutern sind vor allem Bitterstoffe verantwortlich.
Ob Wermut seinen Ruf als Aphrodisiakum verdient, ist umstritten. Allerdings sind die heilenden Wirkungen von Wermut auf den Verdauungstrakt und das Immunsystem gut dokumentiert.
Verdauungsfördernde Eigenschaften von Bitterkräutern
Wermut gehört zu den Bitterkräutern und wird oft auch Schwedenkräuter genannt.
Gemeinsam ist ihnen ein hoher Gehalt an Bitterstoffen, die in der Medizin für ihre verdauungsfördernden Eigenschaften bekannt sind.
Dadurch erklärt sich auch die Bezeichnung „Magenbitter“ bei Verdauungsbränden.
Seit dem Mittelalter ist Wermut neben verdauungsfördernden Kräutern wie Fenchel und Anis eine der wichtigsten Zutaten dieser Schnäpse.
Besonders bei Wermut und Beifuß ist die verdauungsfördernde Wirkung auf den Bitterstoff Absintin zurückzuführen. Eine italienische Studie aus dem Jahr 2020 zeigte sogar entzündungshemmende Wirkungen, wodurch Wermut ideal für den Einsatz bei chronisch entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn geeignet ist.1
Absinth gegen Infektionen
Hildegard von Bingen verwendete bereits mit Wermut vermischten Wein als Entwurmungsmittel.
Die medizinische Verwendung von Absinth begann jedoch erst im 18. Jahrhundert, als die heilende Hausfrau Suzanne-Marguerite Motta, alias Mutter Henriod, aus dem Schweizer Kanton Neuburg das erste Rezept für „Absinth“ entwickelte.
Der französische Arzt Dr. Pierre Ordinaire optimierte später sein „Elixir d'Absinthe“ für den Vertrieb in Apotheken nach dem Originalrezept von Mutter Henriod.
Später tat Major Dubied dasselbe und erwarb 1797 Henriods Rezept.
Mit seinem Sohn Marcellin und seinem Schwiegersohn Henri Louis Pernod gründete er Pernods erste Absinthbrennerei, und Pernod-Spirituosen wie Aniseé sind immer noch auf der ganzen Welt bekannt.
Absinth der Marke Pernod wurde häufig als Medizin verwendet, insbesondere während der französischen Besetzung Algeriens in den 1830er Jahren.
Aufgrund mangelnder sanitärer Einrichtungen und Hygiene litten französische Soldaten dort häufig unter Epidemien, darunter schwere Fälle von Malaria.
Daher verabreichten Militärärzte den Soldaten regelmäßig Wermutschnaps, um Infektionen vorzubeugen.
Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich machten die Soldaten das Getränk schließlich in Metropolen wie Paris salonfähig.
Die „heure verte“ (grüne Stunde), die um 1860 entstand, als der feierliche Absinthkonsum zwischen 17 und 18 Uhr gefeiert wurde. und 19 Uhr In den Metropolen Frankreichs galt er im 19. Jahrhundert als französisches Pendant zum britischen Tee.
Kontroverse um die Grüne Fee
Dass Absinth in Dracula vorkommt, ist nicht vorherbestimmt.
Die Handlung von Bram Stokers Originalroman aus dem Jahr 1897 spielt zu einer Zeit, als Wermutschnaps in der Kunstszene als Kultgetränk galt. Gleichzeitig begannen Ende des 19. Jahrhunderts kritische Auseinandersetzungen mit der Grünen Fee, die neben Inspirationen und Musen auch dunkle Versuchungen mit sich brachten.
Das Getränk der Künstler und Dichter
Sowohl Schriftsteller, wie Oscar Wilde, als auch Maler, wie Henri de Toulouse-Lautrec und Vincent Van Gogh, widmeten sich der Faszination, die von der Grünen Fee ausging.
Gemälde wie Van Goghs „Cafétisch mit Absinth“ und Albert Maignans „Die grüne Muse“ sind legendär. Sie lassen keinen Zweifel daran, dass die Künstlergemeinschaft des 19. Jahrhunderts weitreichende Bekanntschaft mit der Grünen Fee machte.
„Absinth hat eine wundervolle grüne Farbe. Ein Glas Absinth ist so poetisch wie alles andere auf der Welt“
- Oscar Wilde, irischer Schriftsteller
Nun tauchten auch in der damaligen Kunst Warntöne auf, die den übermäßigen Konsum der Grünen Fee kritisierten.
Davon zeugt das Gemälde „Der Absinthtrinker“ von Édouard Manet.Inspiriert von Charles Baudelaires Gedicht „Le Vin de Chiffonniers“ („Der Wein des Bettlers“) zeigt es einen Absinthtrinker, dem die Energie ausgeht und der 1859 für großes Aufsehen sorgte.
Sowie Filme wie den Horrorfilm „From Hell“, in dem Johnny Depp als Frederick Abberline aufgrund übermäßigen Opium- und Absinthkonsums von einem angehenden Polizeiinspektor und Späher für Jack the Ripper dargestellt wird Morde wird zum hoffnungslosen Süchtigen und spielt damit auf das Problem der Sucht nach Wermutschnaps an.
Mythos: Halluzinationen durch die Grüne Fee
Im Mittelpunkt der kritischen Diskussion steht seit jeher die psychedelische Wirkung der Grünen Fee, die ihre Wurzeln im im Wermut enthaltenen Thujon, auch Absinth genannt, hat.
In größeren Mengen können Thujone Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Schwindelgefühle verursachen. Rekonstruktionen alter Rezepte haben jedoch gezeigt, dass sie nicht die Mengen an Thujon enthielten, die nötig waren, um die entsprechende berauschende Wirkung zu erzielen.
Es bleibt die Frage, ob einige Künstler Schnäpse aus schwarz destilliertem Wermut mit ungewöhnlich hohem Thujongehalt konsumierten oder ob sie in ihren eigenen Experimenten durch übermäßigen Konsum die entsprechenden Alkoholrauschzustände hervorriefen.
Beweise für solche Theorien könnten aus einem Kommentar von Oscar Wilde stammen. Er beschrieb den extremen Rausch wie folgt: „Die erste Phase ist wie normales Trinken, in der zweiten Phase fängt man an, schreckliche, grausame Dinge zu sehen, aber wenn man es schafft, nicht aufzugeben, geht man in die dritte Phase über, wo man Dinge sieht, die man sehen möchte, wunderbare, seltsame Dinge.“
Angeblicher Mord im Zusammenhang mit Absinth und vorübergehendes Verbot
Aufgrund des zweifelhaften Rufs der Grünen Fee wegen Alkoholismus war das uralte Heilelixier spätestens seit dem frühen 20.
Jahrhundert heftig umstritten.
Überzeugte Absinth-Gegner waren damals entschlossen, die Grüne Fee zu verbieten, weil es sich angeblich um Absinth handelte, eine bestimmte Form von Alkohol Sucht infolge des langfristigen Konsums von Wermutextrakt.
Neben der Sucht selbst wurden als relevante Symptome Halluzinationen, Reizbarkeit und ein besonderes Maß an Aggressivität genannt.
Der Kampf gegen den Konsum von Wermutextrakt erreichte schließlich seinen Höhepunkt im Jahr 1905, als ein völlig betrunkener Weinbergarbeiter, Jean Lanfray, in der Schweizer Gemeinde Commugny seine schwangere Frau entführte und seine beiden ermordete Töchter.
Der Mann soll neben dem Brandy auch zwei Gläser Absinth getrunken haben, weshalb bald darauf das Gerücht über den Schweizer Absinth-Mord in den Medien in ganz Europa auftauchte.
In Wirklichkeit war Lanfray ein schwerer Alkoholiker, der täglich bis zu fünf Liter Wein trank.
Dennoch führte der Mordfall zu einem weitreichenden Absinthverbot. Dies wurde neben der Schweiz auch in anderen europäischen Ländern verhängt, darunter in Belgien, Frankreich und Deutschland. Erst in den 1990er Jahren kam Ruhe. Grund dafür sind eine Reihe von Klagen von Gastronomen und Produzenten.
Und schließlich der Film „Dracula“ von Bram Stoker, dank dem das Getränk wieder das Licht der Welt erblickte.
Magische grüne Farbe
Kommerzieller Absinth erscheint normalerweise fast neongrün. Was für manche als Zeichen hoher Qualität gilt, ist jedoch eher ein Nachteil. Obwohl er oft als „Grüne Fee“ bezeichnet wird, hat echter Absinth eine viel schwächere grüne Farbe.
Die Farbe ist meist grünlich-gelb bis gelb. Je länger es steht, desto grüner wird es braun.
In den Originalrezepten wird die grüne Farbe durch die Zugabe ganz bestimmter Kräuter erreicht. Der Name der Grünen Fee kommt hauptsächlich von Ysop, Waldmeister und Zitronenmelisse.
Aber der Zeitpunkt ist wichtig, denn wenn die Kräuter zu lange in der Alkoholmischung eingeweicht werden, verfärben sich die grünen Pflanzenfarbstoffe gelb oder braun.
Daher die Umfärbung älterer Auszüge. Empfehlenswert ist auch die Verwendung frischer Kräuter, da diese noch große Mengen an kräftig grünem Chlorophyll enthalten.
Im Handel erhältlicher Absinth wiederum enthält künstliche Farbstoffe, die dem alkoholischen Getränk eine unnatürliche grüne Farbe verleihen. Wer beim Kauf auf gute Qualität setzen möchte, sollte lieber die Finger von der neongrünen Variante lassen.
Absinth mischen - so trinkt man ihn
Ob es tatsächlich an der psychedelischen Wirkung des Absinths liegt oder einfach an seinem hohen Alkoholgehalt, der früher zu einer Suchtepidemie geführt hat, lässt sich erst heute feststellen.
Auf jeden Fall ist sein Verzehr nur in Maßen zu empfehlen und sollte nicht überschritten werden mäßiger Verzehr zu besonderen Anlässen.
Manchmal gibt es viele Gerüchte darüber, wie man Absinth richtig trinkt. Von Eiswasser, über empfohlene Mischungsverhältnisse bis hin zu brennenden Zuckerwürfeln gibt es hier viele Trinkrituale.
Tatsache ist, dass man Absinth eigentlich nicht pur trinkt, sondern eher mit Eiswasser verdünnt, ähnlich wie ein guter irischer Tullamore Dew.
Dadurch wird der von Natur aus starke Geschmack des Wermutschnapses gemildert und angenehmer. Das klassische Verhältnis von Absinth zu Wasser beträgt 1:3. Auch Würfelzucker gehören in der Regel zu Ihrer Trinkgewohnheit. Im Laufe der Zeit haben sich drei verschiedene Trinkrituale herausgebildet:
Schweizer Trinkstil
Dieses Trinkritual ist nicht besonders beliebt.
Etwa 3 cl Absinth werden in einem Glas mit Wasser vermischt, es wird jedoch kein Zucker hinzugefügt. Denn „Schweizer Absinth“ ist in der Regel milder und nicht so bitter wie die französische Variante.
Französischer Trinkstil
Aufgrund seines hohen Bitterstoffgehalts wird französischer Absinth seit jeher mit ein bis zwei Würfelzucker zubereitet.
Sie werden auf einen Löffel Absinth gelegt und anschließend mit Eiswasser aufgegossen, bis das Glas, das zu einem Drittel mit Absinth gefüllt ist, vollständig gefüllt ist. Die französische Art zu trinken ist die historisch am besten dokumentierte und gleichzeitig beliebteste Art zu trinken.
Tschechische Art zu trinken (Feuerritual)
Das berühmte Feuerritual ist eigentlich keine historisch belegte Art zu trinken.
Es wurde erst in den 1990er Jahren als Marketingstrategie für einen tschechischen Absinthhersteller entwickelt. Zuckerwürfel werden zunächst in Spiritus eingeweicht, dann auf einen Löffel gelegt und angezündet. Anschließend wird der karamellisierte Zucker mit Wasser abgelöscht.
Rezept für Absinth
Auch wenn das Verbot aufgehoben wurde, darf man Absinth schwarz weiterhin nicht selbst rauchen, es gibt aber weiterhin ein Rezept für den privaten Gebrauch.
Es funktioniert grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip wie die Kaltextraktion von Tinkturen in der Kräuterküche. Nehmen Sie während der Extraktion regelmäßig Proben, um den Geschmack des Extrakts zu überprüfen.
Machen Sie Ihren eigenen Absinth
Wenn Sie wirklich hochwertigen Absinth genießen möchten, sollten Sie ihn selbst herstellen.
Selbstgemachter Absinth sieht etwas anders aus als der, den wir im Laden kaufen. Hier ist das Rezept.
Zutaten des Rezepts:
- 1 Liter Weingeist
- 30 g Wermut
- 20 g Waldmeister
- 20 g Anis
- 20 g Fenchel
- 20 g Ysop
- 20 g Zitronenmelisse
- 10 g Pfefferminze
- 10 g Salbei
- 10 g Veilchenwurzel
- 1 Extraktionsgefäß (z.
B. Schraubglas)
Rezept:
Gefäß mit Anis, Dill, Minze, Salbei, Veilchenwurzel und 25 g Wermut, 15 g Waldmeister, 10 g Zitronenmelisse und 10 g Ysop. Gießen Sie nun den Alkohol über die Kräuter und füllen Sie das Extraktionsgefäß bis zum Rand.
Die Mischung wird etwa 24 bis 48 Stunden lang ziehen gelassen.
Überprüfen Sie von Zeit zu Zeit die Farbe des Extrakts, um die gewünschte Farbe zu erhalten, und nehmen Sie die erste Probe nach 24 Stunden.
Sobald Ihnen der Geruch gefällt, können Sie die Kräuter filtern. Nehmen Sie nun einen Teefilter und geben Sie 25 g Wermut, 15 g Waldmeister, 10 g Ysop und 10 g Zitronenmelisse hinein. Hängen Sie den Filter in den Extrakt und lassen Sie ihn weitere 24 Stunden ziehen, oder bis er Ihnen schmeckt.
Einmal gefiltert, kann Ihr selbstgemachter Absinth sofort getrunken oder in einer schönen Elixierflasche aufbewahrt werden.
Wenn Sie möchten, können Sie die grüne Farbe natürlich mit etwas Lebensmittelfarbe optimieren, wobei natürliche Lebensmittelfarbe definitiv besser ist.
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