Der kleine Hobbit: Der Vertrag für Meisterdieb Bilbo Beutlin (Teil 1)
DieLaw and Literature-Bewegung beschäftigt sich mit der Schnittstelle zwischen Recht und literarischen Texten. In dieser Artikelserie geht es um den Vertrag des Meisterdiebs aus „Der Hobbit“ J.R.R. Tolkien.
Im September 1937 wurde J.R.R. Tolkien veröffentlichte seinen Fantasy-Roman zunächst unter dem Originaltitel „Der Hobbit oder Hin und zurück“ im Londoner Verlag George Allen & Unwin Ltd.
Damals ahnte niemand, dass die nächste „Der Herr der Ringe“-Trilogie, die in den 1950er Jahren erschien, eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts werden würde. Bereits 1938 veröffentlichte der Potsdamer Verlag Rütten & Loenings Übersetzung von Der Hobbit ins Deutsche. Die Vereinbarung kam jedoch nicht zustande, da Tolkien sich weigerte, den vom deutschen Verleger geforderten Arier-Beweis (1) zu erbringen.
Die Nationalsozialisten unter Hitler waren indirekt dafür verantwortlich, dass „Der Hobbit“ erst 1957 von Walter Scherf übersetzt und unter dem Titel „Der kleine Hobbit“ auf dem deutschen Verlagsmarkt verkauft wurde. Mittlerweile wurden weltweit über 100 Millionen Exemplare des Buches verkauft (2).
Mit der 2001 startenden Verfilmung der „Der Herr der Ringe“-Trilogie ist Tolkien zu einem festen Bestandteil der heutigen Fantasy-Szene in Deutschland geworden.
Die Filme spielten insgesamt rund 2,9 Milliarden US-Dollar ein (3). Seit 2012 wurde Der Hobbit in drei Teilen verfilmt, konnte aber nicht an die Popularität der Herr der Ringe-Filme anknüpfen. Dennoch überschritt der erste Film der Trilogie nach 77 Tagen die magische Schwelle von 1 Million US-Dollar (4).
Zusammenfassend kann man ohne Übertreibung sagen: Der Hobbitund Der Herr der Ringe kennt jedes Kind.
Und das macht jeder Anwalt. Umso überraschender ist es, dass sich in Deutschland bisher noch niemand mit dem Thema„Recht in Mittelerde“ befasst hat.
„Recht und Literatur“ als wissenschaftliche Disziplin
Und das, obwohl das Thema„Recht und Literatur“ durchaus als Forschungsgegenstand anerkannt ist.
Im angloamerikanischen Raum ist diese Disziplin seit den 1970er Jahren unter dem Namen „Law and Literature Movement“ bekannt. Dabei handelt es sich um ein sehr umfangreiches, interdisziplinäres Forschungsgebiet, das an der Grenze zwischen Rechtswissenschaft und Literaturwissenschaft angesiedelt ist. Die Law and Literature Movement geht davon aus, dass der Kontakt mit Recht und Literatur neue - förderliche - Perspektiven auf das Recht eröffnet.
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Die Law and Literature Movement hat ihre Wurzeln in der Arbeit der beiden amerikanischen Juristen John Wigmore und Benjamin Cardozoin in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Das wichtigste Ereignis dieser Bewegung war die Veröffentlichung von James Boyd Whites Werk „The Legal Imagination“ im Jahr 1973. (6)
Innerhalb dieser Disziplin wird zwischen den Bereichen „Recht in der Literatur“ und „Recht als Literatur“ unterschieden. Die erste Disziplin befasst sich vor allem mit der Frage der Darstellung von Recht in literarischen Werken.
Im Gegensatz zum Recht in der Literatur beschäftigt sich die Disziplin Recht als Literatur mit der Frage, inwieweit die Techniken der Literaturwissenschaft auf juristische Texte anwendbar sind.(7)
Diese Richtung ist mittlerweile auch in Deutschland als eigenständige Forschungsdisziplin anerkannt.
Das Thema Recht und Literatur wird hierzulande kaum an Universitäten gelehrt, sondern meist individuell bearbeitet. Zu diesem Thema arbeiten im deutschsprachigen Raum neben Klaus Lüderssen unter anderem Heinz Müller-Dietz, Peter Häberle, Daniel Halft, Peter Schneider, Thomas Vormbaum, Bodo Pieroth und Anja Schiemann.
Eine Kurzfassung des Meisterdiebsvertrags
Im idyllischen Shire im Westen des fiktiven Kontinents.
Mittelerde wird von einem menschenähnlichen Volk bewohnt, das aus kleinen, heimeligen, ruhigen und sesshaften Hobbits besteht. Eines Tages erscheinen der Zauberer Gandalf und sein Gefolge aus 13 Zwergen in der Höhle des Hobbits Bilbo Beutlin, um bei ihm zu bleiben. Bilbo muss den Zwergen helfen, den vom Drachen Smaug gestohlenen Schatz wiederzugewinnen.
Nach anfänglichen Zweifeln bricht Bilbo zu einem großen Abenteuer mit den Zwergen auf. Bevor es jedoch losgeht, muss Bilbo einen Vertrag unterzeichnen. Dies definiert die Kernpunkte des Abenteuers, das Ziel, die Gefährten und Bilbos Rolle als „Meisterdieb“. Und dieser Vertrag hat aus rechtlicher Sicht einiges zu sagen!
Zunächst ist festzuhalten, dass der Vertrag zwischen Bilbo Beutlin und den Zwergen im Buch nur in sehr gekürzter Form vorkommt.
Dort steht in einem kurzen Brief, dass ein Anführer der Zwerge namens Thorin Eichenschild sich an Bilbo wandte:
'Thorin & Das Unternehmen heißt Meisterdieb Bilbo willkommen!Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft und die freundliche Annahme Ihres Angebots professioneller Hilfe. Bedingungen: Zahlung per Nachnahme. Dieser Betrag kann den 14.
Teil des Gesamtgewinns (falls vorhanden) erreichen, darf ihn jedoch keinesfalls überschreiten; in jedem Fall sind alle Reisekosten garantiert; Die Bestattungskosten werden ggf. von uns oder unseren Beauftragten getragen und die Angelegenheit kann nicht anders geregelt werden. Da wir es nicht für nötig erachten, Ihre kostbare Ruhe zu stören, haben wir entsprechende Vorbereitungen getroffen und werden im Gasthof „Zum Grünen Drachen“ Ihr respektierter Ansprechpartner sein.
Erwarten Sie Wasser nach dem elften Punkt. Wir hoffen, dass Sie pünktlich ankommen und fühlen uns geehrt, Ihr geschätzter Thorin & Was. (9)&8222;
Angebot, Annahme und notwendige Verhandlungen
Schon die ersten Zeilen überraschen. Der Text ist so formuliert, als hätte Bilbo den Zwergen freiwillig ein Hilfsangebot gemacht, das sie in seinem Brief angenommen hätten.
In Wirklichkeit wurde Bilbo einfach von den Zwergen angegriffen und von den Plänen der Expedition völlig überrascht. Bilbo will damit zunächst nichts zu tun haben.
Rechtsanwälte wissen: Zum Abschluss eines Vertrages bedarf es zwei zusammenhängender Willenserklärungen: Angebot (§ 145 BGB) und Annahme. Das Angebot muss inhaltlich präzise genug sein, um den Vertrag mit einem einfachen „Ja“ abzuschließen.
Juristen nennen die wesentlichen Vertragsbestandteile auch essentialia negotii. Aus rein rechtlicher Sicht handelt es sich bei der Diskrepanz der Zwerge nicht um eine Annahme, sondern um ein Angebot, das Bilbo später mit der Unterzeichnung des Vertragstextes förmlich annimmt. Die in dem Schreiben genannten „Bedingungen“ stellen die sogenannten „essentialia negotii“ und weitere wichtige Eckpunkte des Vertrags dar.
Zu dieser Schlussfolgerung gelangte der amerikanische Anwalt James Daily, der in Missouri praktiziert und an der Washington University lehrt.
Er ist außerdem Co-Autor des Buches „Law and Superheroes“: „Schon in der Buchversion sehen wir ein Problem: Die Zwerge nehmen Bilbos „Angebot“ an, geben dann aber Bedingungen. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um eine Annahme, sondern vielmehr um ein Gegenangebot, weil sie Bedingungen hinzufügen. Am Ende spielt es keine Rolle, da Bilbo das Gegenangebot erfolgreich annimmt, auftaucht und seine Dienste als Einbrecher anbietet (10)„
Es ergibt sich ein „Meisterdiebvertrag“; als Vertrag über die Erbringung von Dienstleistungen im Sinne der §§ 611 ff.
BGB ist einzustufen. Der Vertrag über die Erbringung von Dienstleistungen ist vom Arbeitsvertrag im Sinne der §§ 631 ff. BGB abzurechnen, was einen gewissen Erfolg voraussetzt. Hier handelt es sich jedoch nach einer realistischen Auslegung um Bilbo Die Zwerge selbst gehen davon aus, dass ihr Abenteuer möglicherweise nicht gelingt.
Anteil am Gewinn, Zahlungsbedingungen, Reisekosten und Beerdigung
Aber jetzt begnügen sich die Zwerge mit ihrem Meisterdieb.
Auf diese Weise regeln die Zwerge die Obergrenze der Belohnung. Bei dieser Formulierung muss jedoch darauf geachtet werden, dass Bilbo nicht mit leeren Händen zurückbleibt. Das bedeutet, dass die Zwerge sogar den sogenannten Zahlungstermin festlegen. Die Kosten für die Reise werden vollständig von den Zwergen übernommen. Auch die Beerdigungskosten, wenn Bilbo während des Abenteuers stirbt Das Abenteuer ist auch geregelt.
Auf diese Weise erweisen sich die Zwerge als äußerst klug, denn sie haben an alles gedacht, was zur Erfüllung ihres Vertrags beiträgt. Aber es ist mehr als gewagt, dass diese Geschichte ein glückliches Ende hat Nein, natürlich nicht! Der vollständige Text des Meisterdiebsvertrags ist bekannt und enthält insgesamt 27 (!) Einzelklauseln, die die Zwerge ihrem Meisterdieb Bilbo Beutlin auferlegen Lernen Sie die Aufgaben der Zwerge kennen und gehen Sie der wichtigsten Frage nach: Wer bekommt eigentlich den Schatz?